Nikolas Kerkenrath

« Der künstlerische Gedanke hatte immer Priorität »

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Deutschland – und die Schweiz !

Dédicace de Claire Bretécher 1989

Widmung von Claire Bretécher 1989 / 1990

Nikolas Kerkenrath wird 1940 in Schwerin geboren. Krieg und Nachkriegs­zeit bestimmen seine Kindheit und Jugend. Sein kultureller Weg beginnt atypisch, unaka­demisch, er ist Autodidakt. 1964 wird sein Vorbild und späterer Mentor
Rolf Liebermann auf ihn aufmerksam; er ermöglicht ihm ein Praktikum an der Hamburgischen Staatsoper. Arno Wüstenhöfer, Intendant der Wuppertaler Bühnen (der Entdecker von Pina Bausch), engagiert ihn für sein Künstlerisches Betriebsbüro; doch Kerkenrath will auf der Bühne tätig sein und nicht dahinter. Der kreative und professionnelle Anspruch dieser beiden Persönlichkeiten waren für seine spätere Arbeit immer Orientierung und Referenz.

 

Au Théâtre de Vidy Lausanne 1978

Théâtre de Vidy Lausanne 1978, « Les Ambassadeurs » von Adolf Muschg, französischsprachige Erstaufführung

Auf Empfehlung von Liebermann wird er ans Stadttheater Luzern engagiert und lernt dort von 1965 bis 1968, als Regie- und Dramaturgieassistent, das Theatermetier von der Pike auf. Von 1968 bis 1981 inszeniert Kerkenrath in Luzern, Stans, Baden, Aarau, Genf, Carouge, Lausanne und Bern. In der Folgezeit kommen andere Facetten hinzu, die für seine spätere Tätigkeit von Nutzen sind: als Kulturjournalist schreibt er für Schweizer Zeitungen und für die Fachzeitschrift 'Opernwelt', er arbeitet für das 'Kulturprozent' der Migros-Zürich, für die Schweizerischen Theatervereine organisiert und leitet er Begeg­nungen und Diskussionen mit Persönlichkeiten aus der Welt der Oper und des Theaters (Jean-Louis Barrault, Rolf Liebermann, Ivan Nagel, Christoph von Dohnanyi, Michel Glotz, Claus Peymann, René Koering, Götz Friedrich, Hugues Gall u.a.). 1983 gründet er mit Freunden in einer vom Abriss bedrohten ehemaligen Gasfabrik das Festival "Théâtres d'été Nyon" (der 'Coup de cœur' seiner Karriere), dessen künstlerischer Leiter er bis 1986 ist und zu dessen Ehrenmitglied er ernannt wird.

 

« Bayer – das ist auch Kultur »

Die Berufung als Leiter der traditionsreichen Bayer-Kulturabteilung in Leverkusen be­deutet nicht nur für Nikolas Kerkenrath eine große Veränderung. Mit seiner Ernennung 1986 stimmt auch die Direktion einem neuen Konzept zu: Kerkenrath will den Spielplan thematisch ausrichten, die anderen Bayer-Standorte in Nordrhein-Westfalen (in Wupper­tal, Krefeld, Dormagen) einbeziehen und mit den Filialen des Unternehmens im Ausland kooperieren.
Von Anfang an misst er der deutsch-französischen Kulturbeziehung eine große Bedeutung zu: er macht bedeutende französische Musiker, Orchester, Ballettcom­pagnien – bis dahin weitgehend von deutschen Veranstaltern ignoriert – hierzulande bekannt und etabliert eine fruchtbare Partnerschaft mit Bayer France, welche auch vielen Projekten und Künstlern in Frankreich zu Gute kommt.
Siehe "Kultur Tandem".

Le "Officier" avec ses amis au Palais Beauharnais 2002

Von 2000-2009 ist Kerkenrath Mitglied
im (von Siegfried Palm / Nele Hertling, Alain Gründ / Jacques Toubon präsi-
dierten) Deutsch-Französischen Kulturrat.
Für seine Verdienste um den deutsch-französischen Kulturdialog wurde er 1989 mit dem Orden "Chevalier de l'Ordre National du Mérite" und 2002, im Palais Beauharnais in Paris, mit dem Orden "Officier de l'Ordre National du Mérite" ausgezeichnet. Hier hielt, vor illustren Gästen, Jacques Rigaud die Laudatio und würdigte "das Engagement eines authentischen Europäers".

 

Kulturabteilung

Eingang zur ehemaligen Kulturabteilung.

Mit am Zeitgeschehen orientierten Themen wie der Saison Française (1989 / 1990) – die von Jack Lang bewundert wurde, der Europäischen Spielzeit (1992 / 1993) – Schirmherr war Jacques Delors, der dem europäischen Russland gewidmeten Saison (1998 / 1999, die Schirmherrschaft übernahmen die Aussenminister K. Kinkel und J. Primakow) oder einer Trilogie von 2000 bis 2003 (Der alte Kulturraum Flandern heute, Zentral-Europa: Reformländer? Kulturländer! und Kulturräume im Norden), mit den beiden großen, dokumentierten ARD-Orchestertreffen, mit Theaterstadt Berlin, mit Hector Berlioz und seine Zeit, mit Wien, Wien – nur du allein u.a. stärkt Nikolas Kerkenrath mit seinen Referenten gleichzeitig das Kulturprofil und das Firmenimage.
Er kreiert die Slogans "Bayer – das ist auch Kultur!" und "Wirtschafts­räume sind auch Kulturräume!"; sie werden in viele Sprachen übersetzt und erweisen sich für die Kulturarbeit und für das Unternehmen als ausgezeichnete Kommunikationsmittel.

 

Das Leverkusener Publikum applaudiert den Kultis von Nikolas Kerkenrath

Das Leverkusener Publikum applaudiert den "Kultis" von Nikolas Kerkenrath, 2007

 

Brochures

Bevor Nikolas Kerkenrath mit 68 Jahren sein Berufsleben beendet, gestaltet er noch einmal mit seinem vertrauten Team zwei große Spielzeiten, dem hundertjährigen Bestehen der Bayer-Kulturabteilung und dem Bayer-Kulturhaus (dem 'Erholungshaus') gewidmet : "Ein Jahrhundert Bayer.Kultur" und "Ein Kulturhaus wird Hundert". Eigens für diesen besonderen Anlass wurde - auf Vorstandsbeschluss - der Vertrag von Kerkenrath über die gesetzliche Altersgrenze hinaus verlängert !
Der Leiter der Kulturabteilung verabschiedet sich nach 22 Jahren mit einer letzten Hom­ma­ge an die französische Kultur: "Bayer-Kultur – bleu-blanc-rouge". Siehe "Kultur Tandem".

 

Leverkusen und Paris

Nikolas Kerkenrath

Foto "Rheinische Post", 2008

Nach alldem erstaunt wohl kaum, dass sich der Leverkusener Bürger ab jetzt auch in Frankreich akklimatisiert. Ein alter und neuer Freundeskreis erwartet ihn; "andere 'chers amis' haben sich, auf beiden Seiten des Rheins, verflüchtigt: ich war nicht mehr nützlich...". Wie schon 1965 und 1986 war auch 2008 der Wechsel mutig und radikal : fast ein Drittel seines Lebens hatte Kerkenrath in Nordrhein-Westfalen verbracht und das Kulturleben von Bayer mit Phantasie und Leidenschaft gestaltet. Er wollte diese reiche Zeit auch örtlich abschließen, den Vorhang ziehen und "oft weit weg sein von allem Danach".
 

livres et CD

Rolf Liebermann und sein Gastgeber, 1995, nach dem Konzert in Leverkusen


CD Clara und Robert

CD Variations Goldberg de Jean-Sébastien Bach

CD Suites pour violoncelle

CD Schumann CD Strauss

In Paris knüpft der von der Schweiz geprägte Deutsche - "jetzt ohne Struktur und Macht", wie er betont - mit Initiativen und Projekten an seine Leverkusener Zeit an. Bereits vor dem Wechsel hatte er mit Hugues Gall über den im Jahr 2010 anstehenden hundertsten Geburtstag von Rolf Liebermann diskutiert und Vorschläge gemacht. Kerkenrath's Beiträ­ge ergänzten die Liebermann-Ehrungen in Deutschland und Frankreich.

 

Das Deutsch-Französische dominiert weiterhin sein Vorgehen: Für eine Wiederholung der in Wuppertal, Leverkusen und Bonn im Rahmen der Robert-Schumann-Spielzeit 2006 / 2007 konzipierten Lesung und CD-Produktion ("Clara und Robert – Briefe hin und her") konnte Kerkenrath Ende 2009 das Heinrich-Heine-Haus der Cité Internationale Universitaire in Paris gewinnen. Das deutschsprachige Publikum war glücklich und der Partner Bayer France zufrieden.

 

In Toulouse (Piano aux Jacobins) und in Paris (Auditorium du Musée d'Orsay) vertrauten frühere Kollegen seiner Empfehlung und luden 2010 / 2011 das in Frankreich bis dato wenig bekannte Klavierduo Yaara Tal / Andreas Groethuysen mit der vierhändigen Version von Bach's Goldberg-Variationen ein. Eine CD-Einspielung wurde noch zu Kerkenrath's Zeit im Bayer-Erholungshaus für Sony Classics realisiert. Auf ein von den beiden Musikern klug konzipiertes Wagner / Debussy-Programm macht er, wo immer möglich, aufmerksam: im Hinblick auf das Wagner-Jahr 2013 und der bevorstehenden Commémoration 1914 / 2014!

 

Mit großer Überzeugung — und Mithilfe von Bayer France — hat sich Kerkenrath für die CD-Produktion von Bach's Cello-Suiten eingesetzt, die Gérard Caussé erstmals für Viola eingespielt hat. Diese CD von Virgin Classics ist auch deshalb eine Rarität, weil der kurz nach der Aufnahme verstorbene Schauspieler Laurent Terzieff mit Gedichten von Rainer Maria Rilke eine spirituelle Brücke zwischen Musik und Poesie her zu stellen wusste.

Ebenso wirbt er in Frankreich für zwei andere CD-Einspie-
lungen, die er noch nach Konzerten in Leverkusen, Wuppertal und Krefeld veranlasst hat: mit der Pianistin Claire-Marie Le Guay und dem Mandelring Quartett (Werke von Robert Schumann; bei Audite); und dem Thomas Christian Ensemble ("Johann-Strauss-Walzer" in der Bearbeitung von Schönberg, Berg, Webern, Dott, Trojahn; bei Dabringhaus & Grimm).
Für weitere Publikationen der Kerkenrath-Zeit (Bücher, CD, DVD) – siehe auch unter 'Kultur Tandem' und 'Kommunikation'.

Applaus für Claus Peymann, nach der Aufführung von Brechts "Die Heilige Johanna der Schlachthöfe", 2007.

Ein Abend mit Claus Peymann im Pariser Goethe-Institut kam 2012 auf Vermittlung des ehemaligen Kulturchefs von Bayer zustande. Bevor das Berliner Ensemble und sein Intendant endlich wieder im Pariser Theaterleben präsent sind (im Théâtre de la Ville), gastiert es schon seit vielen Jahren regelmäßig in Leverkusen (Foto).
Kerkenrath geniesst die Gastspiele des BE in Paris und wendet sich vermehrt seiner 'alten Liebe' zu: dem Theater, als kritischer Zuschauer! Er entdeckt die Qualität der Comédie-Française und die Arbeit von Christophe Rauck am Théâtre Gérard Philipe in Saint-Denis; er war von Peter Stein's Labiche-Inszenierung Le Prix Martin am Théâtre de l'Odéon begeistert. Er freut sich auf die Inszenierung von Dürrenmatt's Der Besuch der alten Dame im Théâtre du Vieux Colombier im Frühjahr 2014.

 

1914 / 2014

Schon lange ist der deutsch-französische Grenzgänger Kerkenrath mit der kulturellen Gestaltung von 1914 / 1918 beschäftigt; aber da er kein Kulturhaus mehr leitet und keine Spielzeiten mehr konzipieren kann, geht das nur über das Motivieren anderer. Er ist sich nicht zu schade, in der Profession und bei Künstlern anzumahnen, "… diesen grausig-großen Jahrgang nicht zu ignorieren: überlasst das politische und historische Erinnern den Politikern und Historikern; aber ehrt die Künste der Künstler jener Epoche, die in dieser Zeit Opfer der 'Großen Illusion' waren…

Ruines de la maison d'Albéric Magnard à Baron

Ruinen des 1914 von den Deutschen verbrannten Hauses von Albéric Magnard in Baron (Oise), zahlreiche Partituren wurden dabei vernichtet

… zum Beispiel mit Igor Strawinski's 'L'Histoire du Soldat', mit Maurice Ravel's 'Le Tombeau de Couperin' und mit seinem Klavierkonzert für die linke Hand, mit der Musik des gleich nach Kriegsbeginn vom Agressor getöteten Albéric Magnard, der Musik des 28jährig gefallenen Rudi Stephan, der vierten Sinfonie von Carl Nielsen…, mit der Literatur von Stefan Zweig / Romain Rolland (Der Selbstmord von Europa), Karl Kraus (Die letzten Tage der Menschheit), Erich-Maria Remarque…, mit den Bildern von Otto Dix, George Grosz…, oder mit Filmen wie 'La Grande illusion' von Jean Renoir, 'Paths of Glory' von Stanley Kubrick, 'J'accuse' von Abel Gance, 'La grande guerra' von Mario Monicelli, 'Un long dimanche de fiançailles' von Jean-Pierre Jeunet, 'Das weisse Band' von Michael Haneke... Auch die von Kurt Joos erst später geschaffene Choreografie 'Der grüne Tisch' gehört in diesen Kontext. Da ist so viel Material, um einen ganzen Spielplan in einem Mehrsparten-Haus zu gestalten !" Auch wenn Kerkenrath's Anregungen immer mehr Gehör finden - sein Bedauern, dies für die Saison 2014 / 2015 nicht selber realisieren zu können, schwingt hier mit.

Zeit für die Filmkunst

In Paris hat Nikolas Kerkenrath nachgeholt, was in der arbeitsintensiven Bayerzeit zu kurz kam : das kritische Geniessen des internationalen Filmangebotes. Die jahrelange Kooperation mit dem Leverkusener Kommunalen Kino – den eigenen Spielplan ergänzend – hat ihn 'süchtig' gemacht. Er sieht rund achzig Filme im Jahr – überwiegend europäische; natürlich viel französisches, wenig amerikanisches Kino.

«… Das sogenannte große USA-Kino dreht sich seit vielen Jahren in einer kommerziellen Spirale, die überwiegend aus Dümmlichkeit, perverser Gewalt und pathologischer Verlogenheit besteht und mit rund 60 Prozent den französischen Markt dominiert ( 90 sind es in Deutschland !). Gute Filme wie "Mulholland drive“ , "Broken flowers" oder "True Gritt“ und einige mehr sind Ausnahmen. Schlimm ist nicht, dass die amerikanische Film- und Fernsehindustrie das Niveau und den Geschmack der eigenen Bevölkerung bedient, sondern, dass diese massenhaft produzierte Ware die ganze Welt überschwemmt – ohne dass die Filmkulturen anderer Länder in USA angemessen präsent sein können. Empörend ist auch, dass in unserem Europa die 'Kollateralschäden' (ein zynischer Pentagonchef lässt grüßen !) dieser perfiden Mechanismen ganz einfach hingenommen werden. Sogar das selbstbewusste Filmland Frankreich orientiert sich vermehrt an filmischen und merkantilen Amerikanismen. Auch die jährlichen "Césars" spiegeln diese Tendenz wieder: die Kunst großer Darsteller wie Kristin Scott-Thomas ("Elle s'appelait Sarah", "Contre toi"), Karin Viard ("Polisse", "Parlez-moi de vous"), André Dussolier ("Une exécution ordinaire", "Les herbes folles"), Denis Podalydès ("La Conquête") oder Michel Piccoli ("Habemus Papam") hat gegen die in Mode gekommene Performance mit sozialem Touch wenig Chancen, gekrönt zu werden... auch wenn der Jahrgang 2012 / 2013 besser ausfiel ! ».

Nikolas Kerkenrath

Der zum Filmgourmet mutierte Kerkenrath nimmt an der Wahl für die Césars 2011 und 2012 teil. Doch die oft dem Zeitgeist entsprechende 'Légèreté' passt nicht zu seiner Vorstellung von Film- und Schauspielkunst. Er wählt nicht mehr mit.
Die gewonnene freie Zeit nutzt er, um mit hunderten DVDs sein Filmgedächtnis aufzufrischen: 2012 und 2013 gestaltet er für sich, zu Hause, ein eigenes 'Filmfest' und unterzieht sich einer regelrechten Lang-, Ophüls-, Welles-, Kazan-, Allen-, Kubrick-, F. Coppola-, Rossellini-, Antonioni-, Fellini-, Visconti-, Renoir-, Truffaut-, Resnais- und (vor allem!) Ingmar-Bergman-Kur.
Seine Videothek wächst und enthält auch vermehrt Filme,
die deutsche Geschichten erzählen, realisiert von Bernhard Wicki, Volker Schlöndorf, Helma Sander-Brahms, Wolfgang Staudte, F. H. von Donnersmarck, Wolfgang Becker, Michael Haneke... und natürlich Rainer Werner Fassbinder.
Und er sieht draußen die auch in Frankreich geschätzten Filme "Women without men" von Shirin Neshat, "Es war einmal in Anatolien" von Nuri Bilge Ceylan und "Barbara" von Christian Petzold, "Hannah Arendt" von Margarethe von Trotta, und wünscht sich "… mehr von starkem Kino, dass ohne Klamauk aus­kommt".

Kulturelle Landluft atmen

Von einer "Trouvaille" soll noch die Rede sein – der Prieuré de Bray, zwischen Senlis und Crépy-en-Valois gelegen. Nikolas Kerkenrath ist beeindruckt vom Engagement des heutigen Besitzers, der diese historische Stätte aus dem 13. Jahrhundert renovieren lässt und sie auch für kulturelle Begegnungen zugänglich machen will.

Nikolas Kerkenrath

Der "Kulturthron" auf dem Land, siehe auch Kultur Tandem

Im Mai 2014 wird der 750. Geburtstag dieses ehemaligen Priorats gefeiert. Der Zuwanderer aus Leverkusen sieht seinen Beitrag, wie er sagt, "… auch als Hommage an eine Region,
die so prägende Persönlichkeiten wie Calvin, La Fontaine, Rousseau, Alexandre Dumas, Camille und Paul Claudel,
Gérard de Nerval, Albéric Magnard oder Séraphine und Wilhelm Uhde hervor gebracht oder beherbergt hat und über Jahrhunderte 'La Terre des Rois de France' war. Was für ein reiches Erbe! Ich geniesse es, mit Jean-Claude Curtil – einem 'historischen Gedächtnis' der Region Valois – den Dialogtext mit all diesen Elementen zu gestalten, der zur Eröffnung der renovierten Chapelle du Prieuré deklamiert werden soll. Als Deutscher bin ich sehr berührt, hier — in dieser von unseren Vorfahren mehrfach geschändeten Region — eingebunden zu sein in einem freundschaftlich planenden Kreis. Und es tut manchmal auch gut, kulturelle Landluft zu atmen; die ist einfacher und menschlicher und der Seele näher als dem Kopf.
"

 

 

 

Von Jean-Paul Capdevielle

nach "Setzt auf Priorität des Künstlerischen" (in 'Ein Jahrhundert Bayer.Kultur') sowie "Rückblick aus der Ferne" 2010 und 2011.

Jean-Paul Capdevielle war von 1981 bis 1987 Direktor des Institut Français Köln und Kulturattaché der französischen Botschaft der Bundesrepublik Deutschland. Er war sehr früh über die französischen Projekte von Nikolas Kerkenrath informiert und empfahl ihm die aussergewöhnliche Kunstausstellung "Images du Corps", welche gemeinsam organisiert und im März / April 1987 im Bayer-Erholungshaus in Leverkusen gezeigt wurde. Zur Eröffnung sprach der französische Botschafter, Serge Boidevaix.
Von 1992 bis 1995 war Jean-Paul Capdevielle Direktor der Mission Culturelle Française und stellvertretender Kulturrat der Botschaft in Tunesien, sowie - von 1995 bis 2000 - Direktor des Institut Français und der Alli-ance Française auf Zypern.
Eine kunstgeschichtliche Nachforschung führte ihn kürzlich zu einer Erkenntnis über die wahre Herkunft des berühmten, sogenannten "Selbstportraits" von Leonardo da Vinci (Biblioteca Reale.Torino).
Lesen Sie hierzu : www.vincidegoya.com